• Volkswagen und andere europäische Automobilhersteller stützen sich zunehmend auf chinesische Technologie, Fertigungskapazitäten und Lieferketten, um die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen und Kosten zu senken. Dies markiert einen grundlegenden Wandel im Zentrum der globalen automobilen Innovation.
  • Die zunehmende Abhängigkeit Volkswagens von China als Produktionsstandort für die globale Versorgung könnte die traditionelle industrielle Basis in Europa schrittweise schwächen und damit das Premium-Markenimage Europas beeinträchtigen.
  • Gleichzeitig eröffnet dieser Schritt europäischen Automobilherstellern den Zugang zu Chinas fortschrittlichen EV-Kompetenzen und Lieferkettenvorteilen, was ihre globale Wettbewerbsfähigkeit stärken kann.

 

Das neueste elektrische SUV von Volkswagen, der gemeinsam mit XPeng entwickelte ID.UNYX 08, hat in China die behördliche Genehmigung für die Massenproduktion erhalten. Es handelt sich um das erste Volkswagen-Modell, dessen gesamte Forschungs- und Entwicklungsarbeit vollständig in China durchgeführt wurde. Der Marktstart des ID.UNYX 08 ist für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen, mit geplanten Exporten nach Südostasien, in den Nahen Osten sowie nach Zentralasien.

 

Im Jahr 2023 investierte Volkswagen 700 Millionen US-Dollar in XPeng und sicherte sich damit einen Anteil von knapp 5 %. Die Investition ist Teil einer strategischen Partnerschaft, in deren Rahmen beide Unternehmen zwei mittelgroße Elektrofahrzeuge gemeinsam entwickeln werden. Diese Modelle basieren auf einer neuen Fahrzeugarchitektur, die XPengs fortschrittliche EV-Plattform und Softwarekompetenzen mit Volkswagens globaler Markenstärke und Ingenieursexpertise kombiniert.

 

Der ID.UNYX 08 stellt das erste konkrete Ergebnis dieser neuen strategischen Partnerschaft dar. Das Modell basiert auf der 800-Volt-Architektur von XPeng, unterstützt Ultra-Schnellladen, bietet eine CLTC-Reichweite von bis zu 700 Kilometern und ist mit XPeng-gestützten, OTA-fähigen ADAS-Systemen (Advanced Driver Assistance Systems) ausgestattet.

 

Parallel zu dieser Partnerschaft bereitet sich Volkswagen darauf vor, in den kommenden fünf Jahren rund 30 neue Elektrofahrzeugmodelle in China auf den Markt zu bringen, wobei der Schwerpunkt auf einer stark erweiterten lokalen Forschungs- und Entwicklungsbasis liegt. Das Unternehmen betont, dass es dank eines effizienten Lieferkettensystems – einschließlich lokalisierter Batteriebeschaffung, verkürzter Entwicklungszyklen und niedrigerer Arbeitskosten – Elektrofahrzeuge in China zu etwa der Hälfte der Kosten einer Produktion in Deutschland herstellen kann. Zur Unterstützung dieser Strategie hat Volkswagen rund 1,09 Milliarden US-Dollar investiert, um in Hefei, China, neue Entwicklungs-, Innovations- und Beschaffungszentren für smarte und intelligente Elektrofahrzeuge aufzubauen.

 

Ähnlich wie Volkswagen haben auch andere europäische traditionelle Automobilhersteller wie Stellantis, Audi, JLR, BMW und Mercedes-Benz in chinesische Automobilunternehmen investiert oder Partnerschaften geschlossen. Ziel ist es, Marktanteile in China zu sichern, Kosten durch lokale Produktion zu optimieren und Zugang zu fortschrittlichen Technologien und Softwarekompetenzen zu erhalten. Mit dem Übergang zur Elektromobilität fällt es vielen etablierten Herstellern zunehmend schwer, mit chinesischen OEMs Schritt zu halten. Diese profitieren von hocheffizienten lokalen Lieferketten sowie starken internen F&E-Kapazitäten, die es ihnen ermöglichen, führende Elektrofahrzeuge zu wettbewerbsfähigen Kosten zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

 

Um im globalen Wettlauf um Elektrofahrzeuge nicht weiter zurückzufallen, wenden sich diese internationalen Automobilhersteller zunehmend strategischen Partnerschaften mit chinesischen OEMs zu. Diese wachsende Abhängigkeit von chinesischer Technologie signalisiert jedoch einen tiefgreifenden Wandel in der globalen Automobillandschaft. Europäische Automobilinnovationen, die einst weltweit Maßstäbe setzten, laufen Gefahr, an Bedeutung zu verlieren, während sich China als neues Zentrum der Entwicklung von Elektrofahrzeugtechnologien etabliert.

 

Wichtige Europa-China-Partnerschaften im EV-Bereich und Investitionsstrukturen

Quelle: Branchendaten und Counterpoint Research

 

Ausblick:

  • Europäische Automobilhersteller vollziehen derzeit einen schnellen, strategischen Kurswechsel und setzen verstärkt auf chinesische EV-Architekturen und Fertigungsgeschwindigkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Partnerschaften wie Volkswagen–XPeng und Stellantis–Leapmotor bieten zwar einen notwendigen Abkürzungsweg zur Beschleunigung der Software-defined-Vehicle-(SDV)-Kompetenzen, bergen jedoch zugleich ein akutes strategisches Risiko, das die globale Wahrnehmung der Premium-Markenstärke europäischer Hersteller dauerhaft schwächen könnte.
  • Die zunehmende Abhängigkeit Volkswagens von China als Produktionsstandort für die weltweite Versorgung könnte die traditionelle industrielle Basis in Europa schrittweise aushöhlen. Zwar kann dieser Schritt die Kosteneffizienz erhöhen und die Markteinführungszeiten für Elektrofahrzeuge verkürzen, er wirft jedoch Sorgen über mögliche Arbeitsplatzverluste bei europäischen Werken und Zulieferern auf. Langfristig könnte dies das industrielle Ökosystem Europas schwächen und den strategischen Einfluss der Region in der globalen automobilen Wertschöpfungskette verringern.
  • Gleichzeitig birgt dieser Wandel erhebliche Chancen für chinesische Automobilhersteller, während er das langfristige Markenimage europäischer Hersteller beeinträchtigen könnte. Sollten chinesische Unternehmen im Rahmen dieser Partnerschaften herausragende Produkte liefern, hätten sie erstmals die Möglichkeit, den westlichen Märkten zu demonstrieren, dass chinesische Elektrofahrzeuge und Technologien nicht nur kostengünstige Alternativen, sondern fortschrittlich, hochwertig und wettbewerbsfähig sind. Zugleich kann eine vertiefte Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern europäischen OEMs Zugang zu Chinas fortschrittlichen EV-Kompetenzen und hoch effizienten Lieferketten verschaffen, was ihre globale Wettbewerbsfähigkeit stärken könnte, während sich die Branche zunehmend in Richtung softwaredefinierter und elektrifizierter Fahrzeugarchitekturen bewegt.

 

Über Counterpoint Research

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